Auf Licht folgt Schatten – Märkte brechen nach Trump-Rede ein
Gestern sorgten die Aussagen von US-Präsident Donald Trump zum Iran-Konflikt noch für Optimismus an den Märkten. Nur einen Tag später bestimmt nach erneuten Aussagen wieder die Angst vor Eskalation das Bild. Der Ölpreis steigt deutlich, während die Aktienmärkte wieder unter stärkeren Druck geraten.
Die Entwicklung zeigt einmal mehr, wie stark die Märkte derzeit auf einzelne Aussagen reagieren. Ein Blick auf die zentralen Punkte der Rede und die anschließenden Marktbewegungen liefert Hinweise auf die Ursachen.
Die zentralen Aussagen der Trump-Rede
Die Rede wurde mit Spannung erwartet, nachdem der US-Präsident am Tag zuvor bereits von einem „schnellen Ende“ und einem Zeitrahmen von 2-3 Wochen gesprochen hatte. Das hieraus die Erwartung für eine baldige Deeskalation abgeleitet wurde, war nicht völlig abwegig, und die Märkte reagierten auch durchweg positiv. Auch in Erwartung einer möglichen Präzisierung in der am gestrigen Abend erwarteten Rede an die Nation im TV.
Drohung trotz Zeitrahmen
Der Zeitrahmen von zwei bis drei Wochen wurde zwar bestätigt, gleichzeitig aber mit einer klaren Drohung kombiniert. Trump stellte in Aussicht, den Iran innerhalb dieses Zeitraums massiv anzugreifen und sprach davon, das Land „in die Steinzeit zurückzubomben“.
Damit wurde die zuvor aufgebaute Erwartung einer Deeskalation unmittelbar relativiert.
Warnung vor Gegenschlägen
Zu möglichen Gegenschlägen des Iran merkte er an, dass dies nur zu härteren Angriffen führen würde, Zitat: „If we see them make a move, even a move for it, we’ll hit them with missiles very hard again.“ Dies betraf explizit auch mögliche Angriffe auf sämtliche Energie- und Ölanlagen des Iran.
Die Aussage deutet darauf hin, dass eine weitere Eskalation jederzeit möglich bleibt. Dabei könnte sich ein Angriff auf die Ölanlagen des Iran das Angebot an Rohöl langfristig beeinflussen.
Straße von Hormus im Fokus
Die zentrale Aussage aber, die maßgeblich für die Frustration an den Märkten gesorgt haben könnte, betraf die Straße von Hormus. Hier betonte Trump, dass die USA von dem Öl aus der Region nicht abhängig seien, und erklärte diejenigen, die es sind, sich selbst um die Sicherung der Seewege kümmern sollten, Trump wörtlich: „Go to the strait and just take it“. Die Anmerkung, dass der Iran die Straße wieder freigeben werde, sobald der Konflikt endet, wirkte nicht sonderlich beruhigend, insbesondere mit Blick auf die Dynamik der vergangenen vier Wochen seit Kriegsbeginn.
Diese Aussage wurde von Marktteilnehmern offenbar als Hinweis gewertet, dass die USA eine Sicherung der wichtigen Handelsroute nicht übernehmen oder garantieren könnten.
Ölpreise steigen deutlich
Die Reaktion am Ölmarkt fällt entsprechend deutlich aus. Nach dem Rückgang vom Vortag steigen die Preise wieder kräftig an und legen zeitweise um bis zu 7 % zu.
US-Rohöl der Sorte WTI notiert aktuell bei rund 101,00 US-Dollar je Barrel und überschreitet damit erneut die Marke von 100 US-Dollar. Die Nordseesorte Brent wird bei etwa 105,70 US-Dollar gehandelt.
Die Bewegung deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer wieder eine höhere Risikoprämie für mögliche Angebotsausfälle einpreisen.
Aktienmärkte geraten unter Druck
Die steigenden Ölpreise sowie die zunehmenden Sorgen vor einer Eskalation und einer möglichen weiteren Einschränkung der Ölversorgung belasten die Aktienmärkte. Sollten sich diese Risiken bestätigen, könnten steigende Energiepreise zusätzlich Druck auf Unternehmen und Konjunktur ausüben.
Der DAX gibt seine Gewinne vom Vortag vollständig ab und notiert aktuell rund 1,30 % im Minus bei etwa 22.968 Punkten. Der Euro Stoxx 50 reagiert etwas stärker und verliert rund 1,70 %.
Der Blick auf die Index-Futures zeigt im vorbörslichen US-Handel, dass die US-Indizes voraussichtlich ebenfalls schwächer in den Handel starten werden. Futures auf den Dow Jones verlieren aktuell rund 1,18 %, während der S&P 500 etwa 1,28 % nachgibt und der Nasdaq 100 um rund 1,61 % fällt.
Goldpreis unter Druck durch steigende Renditen
Der Goldpreis gerät ebenfalls unter Druck, was neben den gestiegenen Ölpreisen auch auf höhere Anleiherenditen zurückzuführen sein könnte.
Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen steigt nach Inflationssorgen aufgrund gestiegener Ölpreise auf rund 4,38 % und erhöht damit die Opportunitätskosten für das Halten von Gold.
Das Edelmetall verliert aktuell rund 3,25 % und notiert bei etwa 4.623 US-Dollar je Feinunze.
US-Dollar legt zu
Der US-Dollar profitiert von der Entwicklung und kann gegenüber den meisten Währungen zulegen. Das Währungspaar EUR/USD fällt wieder unter die Marke von 1,16 und notiert aktuell bei rund 1,1520.
Auch gegenüber dem japanischen Yen zeigt sich der US-Dollar stärker. Das Paar USD/JPY steigt auf etwa 159,61 und nähert sich damit erneut der Marke von 160.
Bitcoin und Altcoins geben nach
Auch am Kryptomarkt kommt es zu Kursverlusten, die jedoch innerhalb der zuletzt etablierten Schwankungsbreite bleiben.
Bitcoin fällt um rund 2,6 % auf etwa 66.880 US-Dollar, während Ethereum mit einem Minus von etwa 3,55 % auf rund 2.054 US-Dollar etwas stärker nachgibt.
Ausblick: Hohe Unsicherheit bleibt bestehen
Die jüngsten Entwicklungen zeigen erneut, wie schnell sich die Marktstimmung aktuell drehen kann. Bereits einzelne Aussagen reichen aus, um deutliche Bewegungen auszulösen.
Mit den bevorstehenden Feiertagen und teilweise geschlossenen Märkten könnte sich die Unsicherheit zusätzlich erhöhen. In einem solchen Umfeld könnte für viele Marktteilnehmer eine defensivere Positionierung an Bedeutung gewinnen.