Trading mit Hebel ermöglicht es, mit vergleichsweise geringem Eigenkapital eine deutlich größere Marktposition zu bewegen. Was auf den ersten Blick attraktiv wirkt, erhöht jedoch gleichzeitig das Verlustrisiko erheblich.
Dieser Artikel erklärt verständlich, wie der Hebel funktioniert, welche Rolle Fremdkapital spielt und warum bereits kleine Kursbewegungen große Auswirkungen haben können.
Was bedeutet Hebel im Trading?
Der Hebel beschreibt das Verhältnis zwischen eingesetztem Eigenkapital und der tatsächlich bewegten Marktposition.
Ein Hebel von 1:10 bedeutet beispielsweise, dass nur 10 % der Positionsgröße als Eigenkapital hinterlegt werden müssen.
Mit 1.000 € Eigenkapital kann somit eine Position im Wert von 10.000 € gehandelt werden.
Der restliche Betrag wird vom Broker als Fremdkapital – also als geliehenes Kapital – zur Verfügung gestellt. Dieses geliehene Kapital ist keine kostenlose Zusatzleistung, sondern kann Kosten verursachen, etwa in Form von sogenannten Swaps, die weiter unten erklärt werden.
Je höher der Hebel, desto geringer ist der Eigenkapitaleinsatz im Verhältnis zur Positionsgröße – und desto stärker wirken sich Kursbewegungen aus.
Wie funktioniert der Hebel technisch?
Beim Trading mit Hebel hinterlegt der Trader eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin. Sie dient dem Broker als Absicherung für die eröffnete Position.
Der Hebel bestimmt, wie groß die Marktposition im Verhältnis zur hinterlegten Margin ist.
Ein Hebel von 1:100 bedeutet:
- 1.000 € Eigenkapital
- 100.000 € Positionsgröße
Schon geringe Kursbewegungen wirken dadurch auf die gesamte Positionsgröße – nicht nur auf das eingesetzte Kapital.
Rechenbeispiel: Gold mit 1:100 Hebel
Warum Trading mit Hebel kein leicht verdientes Geld ist, sondern mit erheblichen Risiken verbunden sein kann, zeigt ein einfaches Beispiel.
Angenommen, ein Trader eröffnet mit 1.000 € Eigenkapital eine Gold-Position mit einem Hebel von 1:100.
- Eigenkapital: 1.000 €
- Hebel: 1:100
- Positionsgröße: 100.000 €
Fällt der Goldpreis nun um 1 %, entspricht das einem Verlust von 1.000 € auf die Gesamtposition.
Das würde rechnerisch einem vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals entsprechen.
Dieses Beispiel verdeutlicht: Je höher der Hebel, desto geringer ist die Fehlertoleranz gegenüber normalen Marktschwankungen.
Warum erhöht der Hebel das Verlustrisiko?
Der Hebel selbst erzeugt keine Kursbewegungen. Er verstärkt jedoch deren Wirkung.
Bereits kleine Marktbewegungen können dazu führen, dass ein erheblicher Teil des eingesetzten Kapitals verloren geht. Besonders in volatilen Märkten kann dies sehr schnell geschehen.
Je höher der gewählte Hebel, desto schneller wird eine kritische Kontoschwelle erreicht.
Hinzu kommt ein psychologischer Faktor: Starke Schwankungen im Kontostand können zu emotionalen Entscheidungen führen, etwa dem vorzeitigen Schließen von Positionen oder dem Erhöhen des Risikos.
Margin Call und Stop-Out
Broker überwachen kontinuierlich das Verhältnis zwischen Eigenkapital und offener Position.
Sinkt das verfügbare Kapital unter eine bestimmte Schwelle, erfolgt in der Regel zunächst ein sogenannter Margin Call. Dieser weist darauf hin, dass die Sicherheitsleistung nicht mehr ausreichend ist.
Wird keine zusätzliche Margin eingezahlt oder erholt sich der Markt nicht, kann die Position automatisch geschlossen werden. Dieses sogenannte Stop-Out-Level ist broker- und regulierungsabhängig.
Eine automatische Schließung begrenzt weitere Verluste, führt jedoch dazu, dass die bis dahin entstandenen Verluste realisiert werden.
Um Verluste aktiv zu begrenzen, nutzen viele Trader Stop-Loss-Orders. Wie diese funktionieren und worin sie sich von automatischen Stop-Out-Mechanismen unterscheiden, wird im Artikel „Was sind Stop Loss und Take Profit?“ ausführlich erklärt.
Welche Kosten entstehen beim Trading mit Hebel?
Neben dem erhöhten Risiko können beim Trading mit Hebel zusätzliche Kosten entstehen.
- Spreads
- Kommissionen
- Swaps (Übernachtfinanzierungskosten)
Im Devisenhandel kann ein Swap aufgrund von Zinsdifferenzen theoretisch auch positiv ausfallen. In der Praxis gleicht dies jedoch häufig nicht das Wechselkursrisiko aus.
Gerade bei länger gehaltenen Positionen sollten diese Finanzierungskosten berücksichtigt werden.
Für wen ist Trading mit Hebel geeignet?
Trading mit Hebel richtet sich in erster Linie an erfahrene Marktteilnehmer, die:
- die Funktionsweise von Margin verstehen
- Risiken bewusst steuern
- Positionsgrößen sorgfältig kalkulieren
Für Einsteiger kann ein hoher Hebel besonders riskant sein, da normale Marktschwankungen schnell zu erheblichen Verlusten führen können.
Fazit
Der Hebel ermöglicht es, mit geringem Eigenkapital große Positionen zu bewegen. Gleichzeitig steigt das Risiko deutlich.
Schon kleine Kursbewegungen können erhebliche Auswirkungen auf das eingesetzte Kapital haben. Technische Schutzmechanismen wie Margin Call oder Stop-Out verhindern zwar eine unbegrenzte Ausweitung von Verlusten, ersetzen jedoch kein aktives Risikomanagement.
Trading mit Hebel ist mit erheblichen Risiken verbunden und nicht für jeden Anleger geeignet.