Die Handelswoche an den europäischen Börsen hat mit einem deutlichen Dämpfer aus Deutschland begonnen. Die Einzelhandelsumsätze verzeichneten im September einen Rückgang von 2,0 % gegenüber dem Vormonat, während Analysten noch mit einem Anstieg von 0,4 % gerechnet hatten. Auch die Korrektur der Vormonatsdaten fiel negativ aus. Statt der ursprünglich gemeldeten 1,3 % wurde für August nun ein Plus von lediglich 1,2 % ausgewiesen.
Die Zahlen zeichnen damit ein weiterhin schwieriges Bild für die deutsche Binnenwirtschaft. Während die Industrie zuletzt wieder positive Signale gesendet hat, scheint die Konsumstimmung davon bislang nicht zu profitieren.
Einkaufsmanagerindizes zeichnen differenziertes Bild
Im weiteren Tagesverlauf rückten die Einkaufsmanagerindizes (PMI) für das verarbeitende Gewerbe in der Eurozone in den Mittelpunkt. Dabei ergab sich ein uneinheitliches Bild, das insgesamt jedoch etwas freundlicher ausfiel als die deutschen Einzelhandelsdaten.
Deutschland bestätigte mit einem PMI von 54,2 Punkten den Wachstumskurs im verarbeitenden Gewerbe. Besonders positiv überraschte Spanien, dessen Einkaufsmanagerindex um 1,2 Punkte auf 52,2 Punkte gestiegen ist. Erwartet worden war hingegen ein Rückgang um 0,6 Punkte.
Weniger erfreulich fielen die Daten aus Frankreich und Italien aus. Beide Länder rutschten mit ihren Industrieindikatoren unter die Marke von 50 Punkten und damit in den kontraktiven Bereich.
Die Zahlen verdeutlichen, dass sich die industrielle Entwicklung innerhalb der Eurozone weiterhin sehr unterschiedlich darstellt. Von einer breit angelegten Erholung kann daher noch keine Rede sein.
Deutsche Industrie profitiert von staatlichen Investitionen
Bei der Einordnung der deutschen Industriedaten sollte allerdings auch die Zusammensetzung der wirtschaftlichen Nachfrage berücksichtigt werden. Ein wesentlicher Impuls für die industrielle Aktivität dürfte zunehmend von staatlichen Investitionen ausgehen. Insbesondere die höheren Verteidigungsausgaben und die damit verbundenen Aufträge an die Rüstungsindustrie könnten die Entwicklung in Teilen des verarbeitenden Gewerbes stützen.
Die positiven Signale aus dem verarbeitenden Gewerbe sollten daher nicht überbewertet werden. Da möglicherweise insbesondere die staatlichen Investitionen in die Verteidigung einzelnen Industriezweigen zugutekommen, lassen sie nur bedingt Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt zu. Die überraschend schwachen Einzelhandelsumsätze deuten vielmehr darauf hin, dass die Erholung in der breiten Wirtschaft bislang noch nicht angekommen sein könnte.
Europäische Aktienmärkte behaupten sich
An den europäischen Aktienmärkten konnten die positiven Signale aus Teilen des verarbeitenden Gewerbes die anfängliche Enttäuschung über die deutschen Einzelhandelsumsätze offenbar zumindest teilweise ausgleichen. Die wichtigsten Leitindizes der Eurozone notierten im weiteren Tagesverlauf leicht im Plus.
Die unterschiedlichen Konjunktursignale dürften die Unsicherheit über die tatsächliche Stärke der europäischen Wirtschaft allerdings kaum vollständig beseitigen. Während die Industrie in einzelnen Ländern wieder Wachstum verzeichne, rutscht Frankreich, die zweitgrößte Volkswirtschaft der EU, in die Kontraktionszone und bleibt die Entwicklung der privaten Nachfrage ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor.
Für die weitere Einschätzung der europäischen Konjunktur wird daher entscheidend sein, ob sich die positiven Impulse aus der Industrie verstetigen und zunehmend auch auf die übrigen Wirtschaftsbereiche übertragen könnten.