In der Nacht haben sich die USA, Israel und der Iran auf einen zunächst temporären Waffenstillstand geeinigt. Zu dem vermittelten Abkommen gehört auch die Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr. Nach der Veröffentlichung des Abkommens sind die Ölpreise um bis zu 15 % gefallen, während die Aktienmärkte trotz weiterhin bestehender Unsicherheiten eine deutliche Rallye starten.
Ölpreise brechen massiv ein
Nachdem das Ende der Blockade der Straße von Hormus angekündigt wurde, sind die Ölpreise deutlich gefallen. Die Aussicht auf einen sicheren Transport der bisher blockierten rund 20 % des globalen Ölhandels führte zu einem schnellen Abbau der zuvor eingepreisten Risikoprämie.
Die Ölpreise erreichen damit wieder das Niveau von Anfang April, als erstmals Hoffnung auf eine Entspannung im Konflikt aufkam.
US-Rohöl der Sorte WTI fiel auf ein Tagestief von 85,97 US-Dollar je Barrel und wird aktuell bei rund 89,50 US-Dollar gehandelt. Die Nordseesorte Brent erreichte ein Tagestief bei 90,65 US-Dollar je Barrel und notiert derzeit mit einem Minus von rund 10 % bei etwa 92,60 US-Dollar.
Aktienmärkte starten Rallye
Nach dem Einbruch der Ölpreise und der Aussicht auf eine mögliche Entspannung im Konflikt haben die Aktienmärkte bereits vorbörslich deutlich zugelegt. Diese Bewegung hat sich nach Handelsbeginn in Europa weiter verstärkt.
Der deutsche Leitindex DAX überschritt kurz nach Handelsstart die Marke von 24.000 Punkten. Aktuell notiert er mit einem Plus von rund 4,55 % bei 23.975 Punkten. Der französische CAC 40 reagiert ebenfalls deutlich und legt um etwa 3,95 % auf rund 8.220 Punkte zu.
Auch die US-Index-Futures zeigen eine klare Reaktion auf die geopolitischen Entwicklungen, bleiben jedoch noch hinter den Zuwächsen in Europa zurück. Futures auf den Dow Jones steigen aktuell um rund 2,34 %, der S&P 500 legt etwa 2,52 % zu und der Nasdaq 100 verzeichnet mit rund 3,30 % den stärksten Anstieg.
Goldpreis legt trotz Entspannung zu
Auch der Goldpreis reagiert auf die aktuelle Entwicklung mit einem deutlichen Anstieg und legt um rund 2,25 % auf etwa 4.812 US-Dollar je Feinunze zu.
Die gleichzeitige Erholung von Aktien und Gold könnte darauf hindeuten, dass Marktteilnehmer trotz der positiven Entwicklung weiterhin Absicherungsbedarf sehen und das Risiko einer erneuten Eskalation nicht vollständig ausblenden.
Bitcoin zurück über 70.000 US-Dollar
Am Kryptomarkt zeigt sich erneut, dass sich die Kursentwicklung zunehmend an den Bewegungen der traditionellen Märkte orientiert. Bitcoin legt aktuell rund 4,05 % zu und notiert bei etwa 71.743 US-Dollar. Damit nähert sich die Kryptowährung wieder der oberen Grenze des Preiskanals der vergangenen zwei Monate.
Ob ein nachhaltiger Ausbruch gelingt, bleibt abzuwarten.
Zu den stärksten Gewinnern zählt erneut Ethereum, das um rund 6,72 % auf etwa 2.256 US-Dollar steigt. Auch Cardano kann sich nach den Verlusten des Vortages erholen und legt um rund 6,89 % auf etwa 0,2611 US-Dollar zu.
Unsicherheiten bleiben bestehen
Trotz der deutlichen Marktreaktion sollten die weiterhin bestehenden Risiken nicht aus dem Fokus geraten. Das aktuelle Abkommen stellt zunächst lediglich eine temporäre Lösung dar und lässt zentrale Konfliktpunkte offen.
Waffenstillstand zeitlich begrenzt
Der vereinbarte Waffenstillstand ist zunächst auf zwei Wochen begrenzt. Innerhalb dieses Zeitraums müssten weitere Verhandlungen zu einem längerfristigen oder dauerhaften Abkommen führen. Andernfalls besteht das Risiko einer erneuten Eskalation.
Straße von Hormus – Freigabe mit Fragezeichen
Die Öffnung der Straße von Hormus wurde zwar vereinbart, die praktische Umsetzung bleibt jedoch unklar. Im Persischen Golf wartende Tanker zögern bislang mit der Durchfahrt und fordern zusätzliche Sicherheitsgarantien.
Zudem könnte die zukünftige Nutzung der Route an Bedingungen geknüpft werden. Berichten zufolge steht eine mögliche Kostenpflicht im Raum, die die Transportkosten deutlich erhöhen könnte.
Grundlegende Konflikte ungelöst
Die zentralen Streitpunkte zwischen den Konfliktparteien bestehen weiterhin. Während der Iran ein Ende der Sanktionen fordert, verfolgen die USA eine abwartende Haltung.
Auch die Frage der Urananreicherung bleibt ungelöst. Für die USA war sie ein zentraler Auslöser des Konflikts, während der Iran an dieser Position festhält.
Hinzu kommt, dass sich derzeit beide Seiten als Sieger des Konflikts darstellen. Dies erschwert die Verhandlungen über ein dauerhaftes Abkommen zusätzlich.
Nach der aktuellen Euphorie an den Märkten könnte sich daher wieder stärker die Frage in den Vordergrund rücken, ob eine nachhaltige Lösung tatsächlich erreichbar ist. Entsprechend bleibt das Risiko erneuter Volatilität hoch und sollte von Marktteilnehmern berücksichtigt werden.