Das gestern Abend veröffentlichte FOMC-Sitzungsprotokoll vom 28. Januar 2026 hat den Markt deutlich stärker hawkish überrascht als erwartet. Die Fed betonte die anhaltende Inflationsgefahr, sieht die Wirtschaft als „solid“ und diskutiert sogar die Möglichkeit einer Zinserhöhung, falls die Inflationsdaten weiter nach oben überraschen. Die Reaktion gestrigen Abend war entsprechend: der US-Dollar legt zu (EUR/USD bis 1,178), Edelmetalle und Indizes geben nach. In der Nacht dreht der Markt jedoch – EUR/USD steigt wieder an die 1,18-Marke, Gold über 5.000 USD, Indizes holen ca. die Hälfte der Verluste auf. Hier die Details und erste Einschätzung.
Das Protokoll: Hawkish und offen für Zinserhöhung
Die Fed-Mitglieder sehen die Inflation weiterhin als zu hoch und hartnäckig, insbesondere bei Shelter und Dienstleistungen. Der Wirtschaftsausblick bleibt „solid“, das Arbeitsmarkt-Umfeld „ausgeglichen“. Auffällig: Es wird explizit die Möglichkeit einer Zinserhöhung diskutiert, falls die Daten weiter nach oben überraschen oder die Inflationserwartungen ansteigen. Die Mehrheit sieht zwar aktuell keine Notwendigkeit, betont aber, dass der Zins-Pfad „datenabhängig“ bleibt und „higher for longer“ weiter die Leitlinie ist.
Der Markt hatte auf eine etwas weichere Sprache gehofft (z. B. frühere Diskussion über Zinssenkungen). Stattdessen dominiert die Botschaft: Keine Eile mit Cuts, Risiko liegt eher auf der hawkishen Seite. Das CME FedWatch-Tool zeigt jetzt nur noch ~45 % Wahrscheinlichkeit für einen Cut im Juni (vorher ~50–55 %).
Abend-Reaktion: Dollar stark, Risiko-Assets unter Druck
Die unmittelbare Reaktion zeigte deutlich den Schreck über das reine Erwähnen einer möglichen Zinserhöhung:
- EUR/USD fällt bis auf 1,178 (–0,5 %)
- Dollar-Index DXY steigt auf 104,80 (+0,6 %)
- Gold fällt wieder unter die gerade zurückeroberte 5.000 USD Marke (–1,2 %)
- S&P 500 –0,8 %, Nasdaq –1,1 %, DAX –0,7 % (nachbörslich)
Besonders betroffen waren Tech-Aktien und Gold, die auf niedrigere Zinsen gesetzt hatten. Der 10-Jahres-Treasury steigt auf 4,28 %.
Nächtliche Erholung – technischer Bounce & anhaltende Unsicherheit als Auslöser
In der Nacht dreht der Markt deutlich: EUR/USD steigt wieder an die 1,18-Marke, Gold über 5.000 USD, Indizes holen ca. die Hälfte der Verluste auf. Der Ölpreis steigt weiter (WTI +0,3 % auf ca. 65 USD, Brent +0,3 % auf 70 USD), was auf anhaltende geopolitische Spannungen hindeutet. Der wahrscheinlichste Auslöser für die Erholung ist eine Kombination aus:
- Technische Gegenbewegung: Nach den starken Abend-Verkäufen waren viele Märkte oversold. Short-Covering + technische Käufe bei wichtigen Support-Levels (Gold 4.950–5.000, S&P 5.800–5.850) sorgten für Bounce.
- Anhaltende Unsicherheit in der Iran-Krise: Meldungen zu indirekten Talks (über Oman und Qatar) haben kurz Optimismus gestiftet, aber die Krise ist nicht deeskaliert. Die steigenden Ölpreise zeigen, dass das Risiko bestehen bleibt – Gold profitiert als Safe Haven weiter, trotz Fed-Hawkishness.
- ETF-Inflows & Market-Sentiment: Starke Käufe in Gold-ETFs (BlackRock, SPDR) haben den Preis gestützt, während Indizes durch leichte Liquidität in der Nacht (Presidents' Day-Nachwirkung) volatil bleiben.
Ausblick: Hawkishe Fed und geopolitische Unsicherheit
Der hawkishe Ton der Fed bleibt dominant: Solange keine klaren Wachstumsrisiken oder Inflationsrückgänge sichtbar sind, bleibt „higher for longer“ die Leitlinie. Die nächste Fed-Sitzung (März) wird entscheidend – bis dahin könnte der Dollar stark sowie Gold und Indizes volatil bleiben. Die Iran-Krise ist weiter eine Wildcard – jede neue Eskalation könnte Gold sofort nach oben katapultieren, Ölpreise verstärken den Effekt.
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