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Trotz der angekündigten vollständigen Blockade der Straße von Hormus reagieren die Märkte recht verhalten.
Trotz der angekündigten vollständigen Blockade der Straße von Hormus reagieren die Märkte recht verhalten.

Angedrohte Hormus-Blockade – Ölpreis steigt, aber explodiert nicht

Die Finanzmärkte starten vergleichsweise gefasst in die neue Woche, obwohl die geopolitische Lage eine deutliche Verschärfung erfahren hat. Nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran sowie der Ankündigung einer Blockade iranischer Ölexporte durch die Vereinigten Staaten richtet sich der Blick der Marktteilnehmer nun auf den heutigen Start der Maßnahme, die ab 10:00 Uhr greifen soll.

Ölpreis reagiert, aber auffällig verhalten

Bemerkenswert ist dabei vor allem die Reaktion der Märkte: Trotz eines potenziell betroffenen Anteils von rund 20–25 % des globalen Ölhandels blieb ein Sprung über die Marke von 100 US-Dollar bislang aus. Der Ölpreis zog zwar an, blieb jedoch deutlich unter den Niveaus, die noch vor Beginn der Gespräche als mögliches Eskalationsszenario gehandelt wurden. WTI stieg am Spot-Markt kurzzeitig auf 98,13 US-Dollar je Barrel, Nordseeöl Brent erreichte mit 100,19 US-Dollar nur knapp die dreistellige Marke, bevor es unmittelbar wieder darunter zurückfiel.

WTI-Rohlöl mit deutlichem Anstieg
WTI-Rohöl steigt nach Abbruch der Verhandlungen kräftig, bleibt aber deutlich und der Marke von 100 US-Dollar. | Chart-Quelle: TradingView

Aktienmarkt zeigt leichte Erholung

Gleichzeitig zeigten die Aktienmärkte bereits im vorbörslichen Handel eine leichte Erholung, nachdem sie deutlich tiefer in die neue Handelswoche gestartet waren. Damit fällt die Reaktion insgesamt deutlich weniger hektisch aus als im bisherigen Kriegsverlauf und insbesondere in den Tagen vor den Verhandlungen, als bereits die bloße Möglichkeit einer Eskalation zeitweise zu spürbaren Risikoaufschlägen führte.

Der deutsche DAX verzeichnet aktuell einen Verlust von etwa 1,22 % bei 23.563 Punkten, nach einem Tagestief von 23.502 Punkten. Der Euro Stoxx 50 notiert aktuell 1,05 % niedriger und der französische CAC 40 verliert rund 1,10 %.

Der Blick auf die US-Index-Futures zeigt, dass diese vorbörslich ebenfalls schwächer gehandelt werden, die Verluste jedoch bislang moderat ausfallen. Futures auf den Dow Jones verlieren aktuell rund 0,49 %, auf den S&P 500 0,61 % und der Nasdaq 100 ist mit einem Minus von rund 0,72 % der größte Verlierer.

Dollar stärker und Goldpreis auf Richtungssuche

Der US-Dollar ist nicht zuletzt durch die Aussicht auf einen steigenden Ölpreis stärker in die Handelswoche gestartet. Obwohl er einen Teil der anfänglichen Gewinne wieder abgegeben hat, liegt er gegenüber dem Euro aktuell noch rund 0,25 % im Plus bei 1,169. Ähnlich verhält es sich gegenüber dem japanischen Yen, der bei 159,66 aktuell etwa 0,24 % gegenüber der US-Währung verliert.

Der Goldpreis ist nach dem Abbruch der USA/Iran-Verhandlungen bei rund 4.670 US-Dollar je Feinunze deutlich schwächer in die Woche gestartet. Aufgrund der unklaren Lage, ob die Eskalation tatsächlich umgesetzt wird, konnte er sich jedoch wieder erholen und über die Marke von 4.700 US-Dollar steigen. Aktuell notiert der Goldpreis bei rund 4.731 US-Dollar.

Bitcoin hält sich über 70.000 US-Dollar

Auch Bitcoin und Altcoins verzeichnen aufgrund der veränderten Lage am Persischen Golf Verluste. Bitcoin verliert aktuell rund 1,33 %, hält sich mit 70.665 US-Dollar jedoch weiterhin über der wichtigen Marke von 70.000 US-Dollar.

Ähnlich stellt sich die Situation bei Ethereum dar. Die nach Marktkapitalisierung zweitgrößte Kryptowährung verliert aktuell rund 1,41 % und notiert bei 2.182 US-Dollar. Auf Wochensicht können beide Kryptowährungen allerdings noch Zuwächse vorweisen: BTC +2,31 % und ETH +2,23 %.

Lageeinschätzung und Aussichten

Auf den ersten Blick wirkt dieses Verhalten widersprüchlich. Eine Blockade in der Region rund um die Straße von Hormus betrifft einen zentralen Knotenpunkt des globalen Ölhandels und birgt das Potenzial für erhebliche Angebotsverwerfungen. Dennoch scheint der Markt aktuell nicht von einem unmittelbaren Worst-Case-Szenario auszugehen, sondern vielmehr eine Mischung aus begrenzter Störung, möglicher Umleitung von Lieferströmen sowie einer weiterhin unsicheren tatsächlichen Umsetzung der Maßnahmen einzupreisen.

Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Ölpreis durch eine neue Drohung aus Teheran. Iran erklärte, dass im Falle einer Bedrohung eigener Häfen kein Hafen in der gesamten Region mehr sicher sei. Die Aussage deutet auf eine mögliche Ausweitung der Spannungen über die Straße von Hormus hinaus hin.

Am Markt führte dies jedoch bislang lediglich zu einer moderaten Gegenbewegung, nachdem die Preise zuvor leicht nachgegeben hatten. Eine deutliche Eskalationsprämie bleibt damit zunächst aus, was darauf hindeutet, dass Marktteilnehmer weiterhin auf konkrete Störungen im physischen Ölfluss warten.

Die Drohung bleibt dabei jedoch an Bedingungen geknüpft. Während die USA zunächst auf eine Blockade iranischer Ölexporte abzielen und bislang keine direkten Angriffe auf Häfen angekündigt haben, stellt Teheran eine Ausweitung der Spannungen explizit für den Fall in Aussicht, dass eigene Hafeninfrastruktur bedroht wird.

Diese Differenzierung dürfte ein Grund dafür sein, dass der Markt die Aussagen zwar registriert, bislang jedoch keine unmittelbare Eskalation einpreist.

Iran bedroht Infrastruktur der Nachbarstaaten

Mit der jüngsten Drohung aus Teheran rückt ein weiteres Risiko in den Fokus der Märkte: eine mögliche Ausweitung der Spannungen auf die gesamte Infrastruktur im Persischen Golf. Iran erklärte, dass im Falle einer Bedrohung eigener Häfen kein Hafen in der Region mehr sicher sei.

Ein solches Szenario würde deutlich über eine Störung der Schifffahrt in der Straße von Hormus hinausgehen. Bereits im bisherigen Konfliktverlauf kam es zu Angriffen auf Energieanlagen und kritische Infrastruktur in mehreren Golfstaaten, was die Verwundbarkeit der gesamten Region unterstreicht.

Für den Ölmarkt hätte eine solche Entwicklung weitreichende Konsequenzen. Neben möglichen Ausfällen bei Förderung und Export würde insbesondere die Unsicherheit über die Sicherheit von Transportwegen und Verladehäfen zunehmen. Damit würde sich das Risiko nicht mehr auf einzelne Routen beschränken, sondern auf das gesamte Energiesystem der Region ausweiten.

Gleichzeitig bleibt jedoch offen, ob es tatsächlich zu einer solchen Eskalation kommt. Die Drohungen sind bislang an Bedingungen geknüpft und wurden vom Markt entsprechend vorsichtig eingeordnet.

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